Vorsicht Falle: Woran Aussteiger und Auswanderer scheitern können

Von A bis Z: die 15 häufigsten Fehler aus der Erfahrung von PuraVida

Ausführliche Erfahrungsberichte zu diesem Thema enthalten die Bücher der PuraVida-Edition.

1   Anwälte
im Ausland sollen Sie vor den Fallen fremder Rechtssysteme schützen – etwa beim Immobilienerwerb oder bei der Geschäftsgründung. Überall auf der Welt vertritt eine bestimmte Art von Anwälten aber nicht die Interessen ihrer gutgläubigen Mandanten aus Mitteleuropa, sondern arbeitet für zwielichtige Makler oder dubiose Hintermänner.

2   Arbeitserlaubnis
und Aufenthaltserlaubnis im Zielland werden in der Euphorie des Neustarts oft nicht ernst genommen. Aber: Nicht nur in manchen lateinamerikanischen Ländern kann man ohne offizielle "Residencia" nicht einmal ein Bankkonto eröffnen. Und das Investment in ein eigenes Geschäft kann komplett verloren sein, wenn zur Eröffnung die Papiere fehlen. Manche Teilzeit-Modelle lassen sich zwar auch mit einem befristeten Touristenvisum verwirklichen. In den meisten anderen Fällen landet man damit aber schnell in der Illegalität (etwa auch als Au-Pair) und wird dadurch erpressbar.

3   Besichtigungsreisen
in ferne Länder bieten Makler und Projektentwickler gerne an. Das Angebot klingt verlockend: Flug- und sonstige Reisekosten werden erstattet, wenn man während oder direkt nach der Reise eine Immobilie kauft. Nachteil: Der Interessent fühlt sich dem "großzügigen" Anbieter gegenüber verpflichtet. Er verzichtet vor Ort auf Prüfung und Besichtigung von Alternativen – auch weil ihn der Anbieter keinen Moment allein lässt. Zeit für Preisvergleiche oder für Kontakte mit neutralen Informanten bleibt meistens nicht. Dem Interessenten werden  – natürlich nur zur schönsten Jahreszeit -  die Risiken und Nachteile verschwiegen. Und die Reisekosten, die ihm nach dem oft unüberlegten Kauf erstattet werden, hat er natürlich trotzdem bezahlt: Sie sind schon im Kaufpreis versteckt.

4   Finanzen
Erschreckend viele Auswanderer, Aussteiger und Umsteiger scheitern, weil ihre finanziellen Reserven nicht reichen. Ihre Lebensentwürfe gründen sich auf unrealistische Einnahme-Erwartungen im Zielland oder auf zu niedrig kalkulierte Lebenshaltungskosten dort. Das Ende vom Lied: Sie schlafen unter Brücken oder am Strand, betteln auf der Straße – oder (etwa auf Mallorca) beim deutschen Konsulat um Unterstützung oder um ein Rückflugticket nach Deutschland. Dabei ermöglichen intelligente Konzepte durchaus auch Menschen ohne dickes Finanzpolster ein "reicheres Leben mit weniger Geld".

5   Gesundheit
Wer sein Leben mit realistisch geplanten Auszeiten und Sabbaticals bereichert oder auf Dauer auswandert, kann seiner Gesundheit viel Gutes tun. Besser als frustriert in Sackgassen stecken zu bleiben und an Burn-Out, Depressionen und dramatisch zunehmenden psychovegetativen Beschwerden zu erkranken, ist ein solcher Schritt allemal. Allerdings: Die eigene Gesundheit kann besonders in exotischen Zielländern auf harte Proben gestellt werden. Wer nicht hundertprozentig fit ist und regelmäßig einen Arzt konsultieren muss, riskiert dort das Scheitern seines Traums. Vorzeitige Rückkehr und verlustreiche Notverkäufe aus gesundheitlichen Gründen bilden immer wieder die Schlusskapitel von hoffnungsvoll begonnenen Aussteiger-Geschichten. Auch die Gesundheit von Angehörigen zu Hause ist ein wichtiges Thema. Nur wer sich keine Sorgen um kranke oder sehr alte Verwandte machen muss, kann unbeschwert in die Ferne ziehen.

6   Illusionen
Politische und soziale Verhältnisse, öffentliche Sicherheit, Infrastruktur, Rechtssicherheit, der Umgang mit der Natur und vieles mehr sind in vielen "Paradiesen" alles andere als paradiesisch. Wer woanders leben will, weil dort "alles besser" sei, wird enttäuscht werden. Einen solchen Ort gibt es nicht. Viele Einzelerfahrungen bestätigen immer wieder: Wer sich trotzdem an eine solche Illusion klammert, will womöglich vor sich selbst weglaufen – und Probleme, die er selbst in sich trägt, einfach in der alten Heimat zurücklassen. Das kann niemals gelingen.

7   Immobilien
Aus gutem Grund dürfen in vielen Ländern die schönsten Grundstücke nicht von ausländischen Privatpersonen erworben werden – etwa in direkter Strandlage. Oft bieten sich dann einheimische Strohmänner an, zusammen mit dem ausländischen Investor eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen. Solche Konstruktionen bergen ein enormes Risiko! Gleiches gilt für teure Konzessionen, die Behörden an Ausländer für die Nutzung von Grundstücken vergeben, die Nicht-Einheimische nicht kaufen dürfen. Kriminelle Anbieter versuchen zudem immer wieder, Grundstücke zu verkaufen, die ihnen gar nicht gehören. Auch der Doppelverkauf desselben Grundstücks an zwei ahnungslose Interessenten aus dem Ausland gehört in manchen Ländern zum Repertoire solcher krimineller Anbieter.

8   Kinder
können von einer Lebensphase woanders auf der Welt enorm profitieren – vorausgesetzt, sie sind im richtigen Alter und im richtigen Land. Eltern, die Kleinkinder in extremer Hitze dem permanenten Risiko von Tropenkrankheiten aussetzen, handeln verantwortungslos! Deshalb: Nur wer Zeit und Ort richtig wählt, kann seinen Kindern zu wunderbaren Erfahrungen, neuen Freundschaften und einem starken Selbstbewusstsein als Weltbürger verhelfen – und zur ganz alltäglichen Kommunikation in Weltsprachen wie Englisch oder Spanisch. Am besten gelingt das natürlich in Ländern mit guten Schulsystemen, womöglich ergänzt durch Online-Fernunterricht oder durch einen Privatlehrer aus der alten Heimat, den sich mehrere Auswanderer-Familien teilen können.

9   Lebenspartner
Ein gemeinsam verwirklichter Traum vom besseren Leben woanders kann Partner zusammen stark machen – aber ihnen auch Trennendes schmerzhafter bewusst machen als im gewohnten Alltagstrott. Allzu oft brechen Ehen und Beziehungen erst dort auseinander, wo das erfülltere Leben beginnen sollte. Gemeinsam starten, getrennt zurück: Schon Auszeiten wie etwa eine lange Weltreise sind mit Erwartungen oft derart überfrachtet, dass daraus Druck entsteht – und sich die Wege der Partner unterwegs trennen. Noch größer ist dieses Risiko, wenn bei Langzeit-Projekten in fernen Ländern Rückschläge zu verkraften und Hindernisse zu überwinden sind. Wer sich mit dem Liebes- und Lebenspartner von Anfang an auf Kompromisse einlässt, scheitert überproportional häufig.

10   Naive Geschäftskonzepte
Noch ein Café in einem kleinen Ort, in dem es schon fünf Cafés gibt? Noch ein T-Shirt-Laden für die wenigen Touristen? Oder die dritte Backpacker-Lodge an einem einsamen Strand? Wer so etwas plant, ist nicht nur einfallslos. Er ist auch naiv. Denn er macht sich völlig unnötig die Konkurrenten am Ort zu Feinden – und deren oft einflussreichen Familien und Freunde. Sie werden alles tun, damit der Neue scheitert. Intelligente Geschäftskonzepte suchen immer die Kooperation mit Einheimischen und vermeiden, wo immer möglich, die Konkurrenz zu ihnen.

11   Rückkehr-Optionen
Wer den Ausstieg aus dem Ausstieg nicht absichert, riskiert viel. Wo kann ich wohnen, wenn ich vorzeitig zurückkehren muss? Lässt sich mit der alten Firma vielleicht zunächst ein Ausstieg auf Probe vereinbaren – mit einer Rückkehr-Option für bessere Zeiten, etwa nach dem Ende einer Konjunkturkrise? Besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen sind Personalchefs für solche Vorschläge heute offener als früher – vor allem, wenn sie den Mitarbeiter besonders schätzen.

12   Sprachen
Auswanderer-Sendungen im Fernsehen zeigen immer wieder, mit welcher erschreckenden Naivität sich sprachlose Träumer in ihre Aussteiger-Träume stürzen. Sie verstehen weder Dokumente noch Beamte, Nachbarn und Handwerker. Sie können keine Freundschaften schließen und beklagen dann auch noch wehleidig ihre Isolation. Der Gipfel der Peinlichkeit ist erreicht, wenn solche Menschen erwarten, dass man mit ihnen Deutsch zu sprechen habe. Deshalb: Für jeden, der ins Ausland geht, ist durchschnittliches Englisch oder Spanisch ein Muss. In anderen Landessprachen sollte wenigstens eine einfache Konversation möglich sein.

13   Teilzeit-Modelle
In regelmäßigem Wechsel mit Projektpartnern zwischen zwei Welten pendeln, dabei das Beste aus alter und neuer Heimat kombinieren: Das kann gelingen, ist aber die Königsklasse unter den kreativen Lebensentwürfen. Die Abhängigkeit von den anderen Partnern ist groß, Einnahmen und Wohnmöglichkeiten müssen für die jeweiligen Phasen in beiden Ländern gesichert sein, und selten ist der Lebenspartner beruflich so flexibel, dass er denselben Wechselrhythmus mitmachen kann. Vor Illusionen sei also gewarnt!

14   Unseriöse Websites
für Auswanderer und Aussteiger gibt es leider viel zu viele. So hat der TV-Sender Arte auf den Betreiber einer Auswanderer-Website aufmerksam gemacht, der zuvor in Deutschland wegen Kreditbetrugs verurteilt worden war und nun auf einer beliebten Mittelmeerinsel neue Kunden fangen will. Andere Websites sind eng verbunden mit unseriösen Immobilienmaklern, Akteuren des Sexgewerbes in Asien oder Geldwäschern in exotischen Steueroasen. Natürlich gibt es im Internet auch vertrauenswürdige Quellen. Aber Vorsicht ist immer geboten!

15   Zeit
Wann im Leben ist die ideale Zeit für eine Auszeit? Irgendwann im Alter zwischen 18 und 30, wenn man in attraktiven Ländern mit einem Work-and-Travel-Visum legal jobben kann? Oder erst in der (Früh-)Rente, wenn spezielle Agenturen "alte Hasen" mit viel Berufserfahrung für einige Monate in die ganze Welt vermitteln? Oder irgendwann zwischendurch, wenn privat oder beruflich ein Plan B nötig wird? Der richtige Zeitpunkt kann von einem unerwarteten Erbe oder von steuerlichen  Faktoren mitbestimmt werden. Oder er ist gekommen, wenn daheim die eigene Wohnung abbezahlt ist, so dass ihre Zwischenvermietung die Auszeit mitfinanziert. Auf jeden Fall gilt es, viele Faktoren zu prüfen und sie bestmöglich miteinander in Übereinstimmung zu bringen. Wer das versäumt, handelt leichtsinnig und riskiert viel. Wer dagegen überlegt plant, kann viel gewinnen!